Hintergrundgeschichte zu meinem Kuba – Roman

KubaDies ist ein Artikel aus der Serie ‚Mein Leben als Schriftstellerin‘.

Im Februar 2004 landete ich um 1 Uhr Nachts am Flughafen in Havanna. Ein Bekannter hatte mir die Adresse von einem seiner kubanischen Freunde vor Ort notiert, mit dem Hinweis, er würde diesem bescheid geben und ich wäre dort sicher willkommen. Als ich jedoch an besagter Adresse ankam, starrte mich ein etwa 60 jähriger Mann mit großen Augen an. Er sei sehr wohl ein Freund meines Bekannten, wüsste jedoch nichts von meiner Ankunft und hätte auch nicht die notwendigen Vorkehrungen getroffen, um mich bei sich unterzubringen. Ich sprach damals noch kein Wort Spanisch und versuchte, mich mit einigen Brocken Italienisch zu verständigen. Jorge (Name geändert) nahm mich widerwillig mit in seine Erdgeschoßwohnung, da ich um diese Uhrzeit keine andere Unterkunft mehr gefunden hätte. Staunend betrat ich einen Raum – dessen Fußboden aus zusammengetretener Erde bestand – der außer einem Sessel und einem Gasherd leer war. Nebenan, stand ein Bett. Nun verstand ich, warum Jorge sich so geziert hatte, mich mitzunehmen. Er wusste nicht, wo er mich unterbringen sollte. Ich hatte jedoch wohlweislich eine Isoliermatte und einen Schlafsack dabei und konnte es mir am Erdboden gemütlich machen, obwohl er darauf bestanden hatte, dass ich sein Bett benutzen sollte.
Am nächsten Morgen erzählte mir Jorge bei einer Tasse Kaffee dass er ursprünglich aus Kolumbien kam und einige Jahre zuvor ein Flugzeug gekidnappt hatte, um vor Guerilleros, die ihn töten wollten, nach Havanna zu fliehen. Ich war mir nicht sicher, ob ich ihn richtig verstanden hatte. Wie auch immer, ich schloss den Mann ins Herz, wollte ihm jedoch nicht länger zur Last fallen und verabschiedete mich von ihm. Zwei Wochen später, einen Tag bevor meine Kuba – Reise zu Ende war, besuchte ich ihn noch einmal, um ihm von meinen Erlebnissen zu berichten. Er empfing mich mit Tränen in den Augen. Scheinbar hatte er damit gerechnet, dass ich den gesamten Urlaub bei ihm verbringen würde und befürchtete, seine Bleibe wäre mir nicht gut genug gewesen. Ich jedoch hatte gedacht, ihm einen Gefallen getan zu haben, als ich möglichst schnell weitergereist war. Er konnte gar nicht aufhören, mich zu umarmen, er hatte solche Angst gehabt, mir wäre unterwegs etwas zugestoßen.
Dann kochte er für mich. Fisch und Eier. Für jemanden, der am Existenzminimum lebt, sind diese Lebensmittel in Kuba sehr teuer. Er wollte mich verwöhnen. Es rührte mich, wie sehr ich diesem Mann, den ich zwei Wochen zuvor zum ersten Mal getroffen hatte, am Herzen lag. Diese Begegnung hat meine Sichtweise aufs Leben sehr verändert. Wie wenig es bedarf, mit großem Herzen zu leben.
Bei meinen folgenden Kubareisen habe ich Jorge immer wieder besucht. Das letzte Zusammentreffen liegt schon viel zu lange zurück. Ich möchte Dich bald wiedersehen mein Freund!
Jacobsen_Secreto_ebook_final2_neuKuba hat sich in mein Herz gebrannt. Die lachenden, in den Straßen tanzenden Menschen, die mich gelehrt haben, was Gemeinschaft bedeutet und was es heißt, füreinander da zu sein. Die Rikschas die über die ungepflasterten Straßen holpern und aus deren Transistorradios der typische Bass von Reaggeton-Musik dröhnt. Das bunte Treiben. Der Geruch. Havanna hat einen ganz speziellen Geruch, den ich an keinem anderen Ort der Welt wiedergefunden habe. Dieser Ort ist magisch und so ließ ich meine Hauptfigur Rosalia aus dem Kolumbien-Roman ‚La Pasion – In den Fängen der Leidenschaft‘ nach ihrem Burnout nach Kuba weiterreisen und so entstand der Kuba – Roman ‚El Secreto – Das geheimnisvolle Manuskript‘. Rosalia macht sich auf die Suche nach drei Schlüsseln, die ein Geheimnis bergen. Doch es gibt Machenschaften, die sie daran hindern wollen, das Geheimnis zu lüften. Und wer ist der mysteriöse Fremde, der ihr immer wieder über den Weg läuft?

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Warum ein Mafia – Roman?

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