Warum Männer nach einem One-Night-Stand flüchten und Frauen sich verlieben

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Dies ist ein Artikel aus der Serie: Wie Männer ticken.

Gehen wir in der Evolutionsgeschichte 300.000 Jahre zurück in die Steinzeit.

Der junge Neandertaler ›Schnellpfeil‹ justierte mit einer Hand seinen Lendenschurz und balancierte mit der anderen auf seiner Schulter den Speer mit der aufgespießten Jung-Gazelle, die er kurz zuvor erlegt hatte. Die Männer seines Volkes, mit denen er gemeinsam auf der Jagd gewesen war, folgten ihm. Die Hitze stieg flirrend von der dürren Savanne auf. Es sah aus, als würde sich der Horizont bewegen. Es hatte lange nicht geregnet. An Vollmond würde der Nomadenstamm aufbrechen, auf der Suche nach der nächsten Oase. Die Wasserreserven waren beinahe aufgebraucht.

Die Männer erreichten die Tierhaut-Zelte, die sie gemeinsam mit ihren Frauen errichtet hatten. ›Schnellpfeil‹ wischte sich den Schweiß vom behaarten Gesicht. Sein Herz trommelte in der Brust, als er sie entdeckte: ›Schlangenhaut‹ kauerte gedankenverloren vor ihrem Zelt und sortierte Beeren. Sie war die Einzige im Stamm, deren Gesicht nicht mit Haaren bedeckt war. Ihre Haut glänzte rötlich, als hätte sie sich vor kurzem gehäutet. Als die Frau ›Schnellpfeil‹ bemerkte, deutete sie ein Lächeln an. Der Lichtstrahl, der aus ihren Otter-Augen schoss, traf ihn mitten ins Herz. Ein Geheimnis verband die beiden, von dem niemand im Stamm etwas wusste. ›Schnellpfeil‹ konnte ein Raunen seiner Jagd-Kollegen hören, als sie die Frau bemerkten. Jeder warb um dieses exotische Weib, doch niemandem hatte sie sich bis dato hingegeben.

Bis auf letzte Nacht.

›Schnellpfeil‹ war es gelungen, dieses traumhafte Wesen vom Regenbeschwörungsfest wegzulocken, weil er ihr die Entdeckung zeigen wollte, die er einige Tage zuvor gemacht hatte. Nicht unweit von dem Zelt entfernt, welches sie mit ihren Eltern und ihrem Bruder bewohnte, hatte er einen Meter tief unter der Erde wasserhaltige Knollen gefunden. Wenn man ein Loch in die Frucht bohrte und sie nächtens, fernab der sengenden Hitze des Tages in eine Steinmulde legte, sonderte sie Wasser ab.

›Schnellpfeil‹ wurde immer noch ganz schummrig bei der Erinnerung an den dankbaren Blick, den sie ihm letzte Nacht geschenkt hatte, als sie ihre Finger ins kühle Nass getaucht hatte. Sie hatte ihren Kopf zur Steinkuhle gebeugt und gierig das Wasser geschlürft. Dann hatte sie zu ihm hoch gesehen. Das Mondlicht spiegelte sich in ihren glänzenden Augen. ›Schnellpfeil‹ wischte einen Tropfen von ihrem Mund. Sie berührte seine Hand. Er fasste ihren Nacken und zog sie an sich. Sie entriss sich ihm und lief in die Dunkelheit davon. Er folgte ihr. Das Spiel artete in ein Kampfgerangel, wie von zwei Löwenkindern aus. ›Schnellpfeil‹ bekam ihre Haare zu fassen. Flink drehte sie sich um. Er konnte ein Lächeln im fahlen Licht des Mondscheins auf ihrem Gesicht ausmachen. Das erste, das sie ihm schenkte, seit dem er sie vor viel zu langer Zeit ein einziges Mal geküsst hatte. Er zog sie an sich, drückte seine Lippen auf ihre. Zuerst wehrte sie sich, doch dann ergab sie sich. Wie damals. Doch diesmal fühlte sich irgendetwas anders an: Erst zaghaft, dann immer feuriger, erwiderte sie seine Leidenschaft. Ein Tanz der Gestirne. Mond und Sonne kollidierten mit keuchendem Atem. Ein Feuerball stieg in den Himmel auf und für kurze Zeit erstrahlte die nächtliche Savanne in gleißendem Licht. Ihre Leiber fielen erschöpft zu Boden, eng umschlungen. Seit gestern Nacht trug ›Schlangenhaut‹ ›Schnellpfeils‹ Samen in ihrem Bauch.

›Schnellpfeil‹ konnte sein Glück kaum fassen. Er und seine Jagdkollegen stapften Richtung Zelt des Häuptlings ›Großer Bär‹. Plötzlich ertönte ein gellender Schrei von der Seite. ›Schnellpfeil‹ blieb abrupt stehen und wandte seinen Kopf Richtung Lautquelle. Der Mann hinter ihm, lief in ihn hinein und stieß einen Fluch aus.

›Fellnäherin‹, die Frau, die den sehnsüchtigen Schrei ausgestoßen hatte,  winkte ›Schnellpfeil‹ zu sich, wie jedes Mal, wenn die Männer von der Jagd zurückkamen.

Vergeblich.

Sie würde ihn nie überzeugen können.

Der Junge, der neben ihr im Sand hockte und eine Steinburg baute, wurde dem Häuptling ›Großer Bär‹ immer ähnlicher. Seine Ohren standen ab, wie Schmetterlingsflügel. Als wären sie dabei, sich auszubreiten, um das Kind in die Lüfte entschweben zu lassen. Dieser Junge war nicht von ihm, das spürte ›Schnellpfeil‹ instinktiv, auch wenn ›Fellnäherin‹ ihm das seit drei Sommern versuchte, weiszumachen. Sie hatte sich mit allen Männern des Stammes eingelassen. Jeder könnte der Vater dieses Kindes sein.


In diesem Punkt unterscheidet sich der ›moderne Mann‹ nicht vom Neandertaler. Weil ›Schlangenhaut‹ einen Mann lange um sich werben lässt, bevor sie sich einlässt, weiß ›Schnellpfeil‹, dass er der Vater des Fötus ist und somit ist er bereit, mit dieser Frau eine Beziehung einzugehen, um sein Kind großzuziehen. Jedoch bei ›Fellnäherin‹ könnte das Kind auch von jedem anderen sein, weil sie mit jedem Mann im Stamm geschlafen hat und ›Schnellpfeil‹ distanziert sich, weil er nicht gewillt ist, seine Energie in einen möglicherweise fremden Balg zu investieren.

Inwiefern gilt das nun in unserer modernen Zeit?

Wenn eine Frau sich einem Mann zu schnell hingibt, ist sie keine Beziehungskandidatin mehr für ihn.

Warum?

Weil, wenn wir davon ausgehen, dass es wie bei den Neandertalern keine Verhütungs-Möglichkeiten gibt, könnte diese Frau nach dem Stelldichein schwanger sein. Wenn sie sie sich zu schnell hingibt, geht der Mann davon aus, dass sie es auch mit jedem anderen treibt und er kann sich nicht sicher sein, dass das potenzielle Kind seines ist. Der Mann tickt auch heute noch genauso, wie vor dem Zeitalter der DNA-Tests: Er möchte sicher sein, dass das Kind von ihm ist und möchte verhindern ein fremdes Baby großzuziehen. Also distanziert er sich von einer schnellen Bettgefährtin, um nicht unnötige Energien für die Versorgung eines fremden Kindes aufbringen zu müssen.

Wenn der Mann allerdings um eine Frau kämpfen muss, kann er davon ausgehen, dass auch andere Männer nicht so leicht bei ihr landen können. Wenn er sie nach langer Bemühung endlich um den Finger gewickelt hat, glaubt er, dass ihr Kind auch seines ist.

Nun wissen wir, warum Männer nach einer schnellen Nummer flüchten. Aber warum verlieben sich Frauen nach einem One-Night-Stand?

Das liegt an der Ausschüttung des Bindungs-Hormons Oxytocin.

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Zur Artikelserie Wie Männer ticken

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